Am 8. November 1997 hat das neue Museum für Urgeschichte in Zug seine Tore geöffnet. In einer alten, vom Kanton erworbenen Fabrikhalle gestalteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums gemeinsam mit den Ateliers Jaquenoud + Kaiser, Cossonay-Gare und Time Machine AG, Prêles eine Ausstellung, die nicht nur Wissen vermittelt und Fragen aufwirft, sondern die Zuger Ur- und Frühgeschichte zu einem Erlebnis werden lässt. Lebensgrosse Figurengruppen, Siedlungsmodelle und kurze Geschichten erlauben einen unmittelbaren Zugang zu den verschiedenen Epochen von der ausgehenden Altsteinzeit (um 13'000 v.Chr.) bis ins Frühmittelalter. Ein besonderes Anliegen ist die spielerische Vermittlung von Informationen. So sind beispielsweise die Figurengruppen mit Repliken von Geräten und Schmuck der jeweiligen Zeit versehen. Die entsprechenden Originalfunde sind jeweils daneben in einer Vitrine ausgestellt. Es wird so für die Besuchenden möglich, die Verbindung zwischen dem Originalfund und seiner Funktion selber herzustellen, ohne dass der Umweg über die oft als bemühend wahrgenommenen didaktischen Erklärungen gemacht werden muss. Generell ist der Museumsrundgang so angelegt, dass die Besuchenden mit einem Minimum an schriftlicher Information trotzdem einen vertieften Einblick in die verschiedenen Epochen gewinnen können. Wer mehr Informationen will, erhält sie an eigens gestalteten Lesepulten zu Themen wie: "Handwerk in der Urgeschichte", "Ein Haus wie vor 3000 Jahren", "Ein Blick ins Restaurierungslabor", "Golfplatz und Gräber", "Leben im Frühmittelalter". Weitere Informationsträger sind drei Plakatwände. Wie schon bei einigen der Lesepulte werden auch hier von externen Fachpersonen weiterführende Texte verfasst, die in einem regelmässigen Turnus erneuert werden. Im Moment ist "Ötzi", der Mann aus dem Eis, aktuellstes Thema. In den Vitrinen liegt der Schwerpunkt auf der Vorstellung von Fundensembles. Wollen wir mit der "Erlebnisebene" die Bevölkerung und vor allem auch Kinder und Jugendliche ansprechen, so sind bei der Materialpräsentation vor allem auch die Fachleute unser anvisiertes Publikum. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie Zug ist es dabei möglich, noch unbearbeitete Fundkomplexe, wie beispielsweise Funde der frühen Ufersiedlung Cham-Eslen (5. Jahrtausend v.Chr.), zu präsentieren sowie einen lebendigen Einblick in aktuelle Ausgrabungstechniken zu geben. Im Bereich Forschungsgeschichte ist, gesponsort durch die Vereinigung für Zuger Ur- und Frühgeschichte, die Erforschung der lokalen Frühgeschichte vorgestellt. Hier fanden auch einige der interessanten Originalvitrinen des alten Museums für Urgeschichte ihren Platz. Eine gemütliche Kinderecke mit Tastkiste, archäologischen Comics, Büchern zum Thema Archäologie und urgeschichtlicher Puppenstube erlaubt den erwachsenen Begleitpersonen einen ungestörten Rundgang im Museum. Im Museumsshop schliesslich werden neben weiterführender Literatur zu den angesprochenen Themen eine Vielzahl an Repliken und Abgüssen angeboten. Sehr umfangreich ist auch das Angebot für Schulklassen. Ein Besuch in der Ausstellung kann mit einem Besuch im didaktischen Raum verbunden werden, wo zahlreiche Repliken vor allem zur Jungsteinzeit und Bronzezeit zum Anfassen zur Verfügung stehen. In einer Werkstatt können u.a. Steinbeilklingen und Knochenmeissel geschliffen, aber auch das Knüpfen von Netzen, das Spinnen geübt und Getreidekörner zu Mehl gemahlen werden. Das Museum für Urgeschichte(n) organisiert regelmässig Aktionen und Vorträge zu aktuellen Themen.