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Städtische Galerie Karlsruhe


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Mona Breede: Die Außenwelt der Innenwelt

25.04.2013 - 04.08.2013

Die in Karlsruhe lebende Fotografin Mona Breede erhält 2013 den Hanna-Nagel-Preis, der im zweijäh­ri­gen Rhythmus an eine zeitge­nös­si­sche bildende Künstlerin aus dem Regie­rungs­­­be­­zirk Karlsruhe verliehen wird. 1968 in Kiel geboren, absol­vierte sie zunächst eine Ausbildung zur Fotografin an der Bayeri­­schen Staats­­­lehr­an­­stalt für Fotografie in München. Danach studierte sie Grafik-Design und Fotografie an der Staat­­li­chen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bei Professor Gunter Rambow und Professor Thomas Struth. Seit vielen Jahren ist sie an Ausstel­­lun­­gen in nationalen und inter­na­tio­na­len Museen, Kunst­­­ver­­ei­­nen und Galerien beteiligt. Lehrauf­träge für Fotografie hatte sie u.a. an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und seit 2011 am Zentrum für Angewandte Kultur­wis­­sen­­schaft des Karlsruher Instituts für Techno­lo­­gie (KIT) inne.
Mona Breedes Fotogra­­fien fangen die spezi­­fi­­sche Atmosphäre von Millio­­nen­städ­ten wie Shanghai, New York, Chicago, Rom oder Berlin ein. Die promi­­nen­ten Bauwerke dieser Metropolen bilden die steinernen Kulissen, vor denen Menschen unter­­schie­d­­lichs­ter Herkunft zu erkennen sind. Im Vergleich zur urbanen Archi­tek­tur wirken sie klein, unbedeu­tend, wie verloren. Ohne mitein­an­­der zu kommu­­ni­­zie­ren, bewegen sich die Passanten vor den bühnenhaft erschei­­nen­­den, oft in drama­ti­­sches Licht getauchten Fassaden der Gebäude.
Auf den ersten flüchtigen Blick scheint es sich dabei um ganz alltäg­li­che Straßens­ze­nen, also dokumen­ta­ri­­sche Aufnahmen, zu handeln. In Wirklich­keit sind Mona Breedes Werke jedoch sorgfältig kompo­­nier­te Fotomon­ta­­gen, zusam­­men­­ge­­setzt aus einer Vielzahl von einzelnen Bildfrag­­men­ten. Die Künstlerin bezeichnet sie als "Stadt­­cho­reo­­gra­­phien" und verweist damit auf den Aspekt der wohlüber­leg­ten Insze­­nie­rung und Verfrem­­dung, der ihren Bildern eigen ist. Je nach gewünsch­ter Bilddra­­ma­tur­­gie wählt sie die Szenerien aus, arbeitet mit digitalen und analogen Fotogra­­fien, digita­­li­­siert die Dias und arrangiert in aufwen­­di­­ger Feinarbeit am Computer ihre komplexen, in Bezug auf Raum und Zeit mehrdi­­men­­sio­na­len Bildschöp­fun­gen aus zahlrei­chen Einzel­­bil­­dern.
So entstehen Bildwelten, die eine neue Realität erschaffen - eine Realität von gleicher­ma­ßen geheim­­nis­vol­­ler wie faszi­­nie­ren­­der Magie und Abgrün­dig­keit. Mona Breedes Fotoar­­bei­ten führen Momente voller Melan­cho­­lie vor Augen, in denen Anonymität und Entfrem­­dung als typisch großstäd­ti­sche Phänomene unserer globa­­li­­sier­ten Welt eigen­wil­­lig und eindring­­lich reflek­tiert werden. Versatz­stücke des modernen Lebens und kleine Gesten des Alltags verbinden sich zu einer neuen Einheit, werden als Chiffren mensch­­li­cher Existenz zum Spiegel der Innenwelt. "Mich inter­es­­sie­ren die Räume dazwi­schen mehr, das, was sich unter der Oberfläche des Darstell­­ba­ren abspielt, das Innenleben der Menschen, Momente, die nicht richtig fassbar sind, Traum­haf­tes und nicht Erklär­ba­res", so beschrieb die Künstlerin einmal selbst ihre Intention.
Der Hanna-Nagel-Preis ist ein Kunstpreis von hohem Renommee: Er erinnert zum einen an das künst­le­ri­­sche Werk Hanna Nagels, einer bedeu­ten­­den Vertre­te­rin der "Neuen Sachlich­keit", zum anderen versteht sich der Preis als Instrument der Künst­le­rin­­nen­för­de­rung im Regie­rungs­­­be­­zirk Karlsruhe. Dass die Bewer­­be­rin­­nen um den Preis mindestens 40 Jahre alt sein müssen, soll dem oft unter­­schie­d­­li­chen Lebens­ent­wurf von männlichen und weibli­chen Kunst­­­schaf­­fen­­den Rechnung tragen.

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