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Jüdisches Museum Rendsburg


Prinzessinstr. 7-8
24768 Rendsburg
Tel.: 04331 2 52 62
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Öffnungszeiten:

Di-So 12.00-17.00 Uhr

der auch...?" Oz Almogs bunter Index Judaeorum. Chronik einer kulturellen Obsession

14.06.2009 - 13.09.2009
Über 400 Porträtgemälde des Künstlers Oz Almog zeigen in einem gigantischen Personenlexikon jüdische Frauen und Männer, die Geschichte gemacht haben In der Ausstellung „der auch...?“ sehen wir mehr als vierhundert Ölgemälde von der Hand des israelischen, heute in Wien lebenden Künstlers Oz Almog, Porträts, die jeweils einen Menschen der Geschichte oder der Gegenwart darstellen, der über seine Grenzen hinaus bekannt ist. Die Gemälde werden durch einen sachlich-erläuternden Text mit gegenseitigen Verweisen begleitet, so daß wir eine Art in sich verknüpftes Personenlexikon betreten. Die Gemeinsamkeit dieser Frauen und Männer ist ihre jüdische Herkunft, wobei dieser Sachverhalt sehr weit gefaßt ist. Wenn wir auf David Ben Gurion, Maimonides, Yehudi Menuhin oder Theodor Herzl stoßen, so bleiben diese Personen im allgemeinen Erwartungsrahmen, was Akteure „jüdischer“ Kultur und Geschichte angeht. Von anderen Personen werden wir „es“ nur vereinzelt gewußt haben: von den Sängern der Rockgruppe KISS, dem Darsteller von Mr. Spock oder dem Serienmörder David Berkowitz. Der Konzept- und Performance-Künstler Almog spielt gerade mit den verfestigten Erwartungshaltungen, die uns bei der Begegnung unterschiedlicher Personen in diesem Index fragen lassen: „der auch...?“. Ja, ist die Antwort, warum auch nicht? Gerade in Deutschland und Österreich ist das Jüdische nach wie vor kein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft und eine kulturelle Größe eigener Qualität. Die oft krampfhafte Haltung gegenüber dem Jüdischen spiegelt sich im obsessiven Schaffen von Almog, der sich nach Jahren der Performances und der Concept Art wieder der bildenden Kunst, ja der klassischen Malerei zuwandte. Seine zunächst wenigen – anfänglich als Fingerübung gedachten – Porträts wuchsen sich zu einer Lebensaufgabe aus: In über zehn Jahren schuf Almog 1.200 Gemäldeporträts (inklusive der biographischen Texte), so daß gerade einmal ein Drittel seiner „Chronik einer kulturellen Obsession“ in Rendsburg hat Platz finden können. Vor allem in der Anfangszeit entstanden Hunderte von Werken, „manchmal an 25 Staffeleien gleichzeitig“ (Almog). Die Ausstellung war das erste Mal vor zehn Jahren im Jüdischen Museum Wien und danach in Israel, Deutschland und anderen europäischen Städten zu sehen. Vor uns entfaltet sich ein vielgesichtiges Panoptikum der Welt- und Kulturgeschichte. Die Dargestellten haben viel Gutes und viel Schlechtes bewirkt, sind Religionsstifter, Propheten, Schauspieler, Gangster, Wissenschaftler, Politiker und Künstler. Sie haben wie andere Menschen die Welt geformt und aus ihr gemacht, was sie ist – im Guten wie im Schlechten. Irgendwann wird auch der Aspekt des Jüdischen leiser, und die obsessive Frage nach dem „es“ wird unwichtiger angesichts der Fülle menschlich-kultureller Verzweigung, die sich hier offenbart.

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